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Zahntechniker mit „einer“ Hand

Schwerbehinderte können oft mehr leisten, als man Ihnen nach dem ersten Eindruck zutraut

Zahntechniker mit "einer" Hand - Stefan Sauer

Zahntechniker mit „einer“ Hand – Stefan Sauer

Eigentlich war der Ausbildungsplatz bereits besetzt, als sich Stefan Sauer beim Zahntechniklabor Jacobs in Würselen bewarb. Stefan ist seit seiner Geburt schwerbehindert, die rechte Hand ist nicht voll entwickelt, Finger sind verwachsen. Und trotzdem lernt er nun im ersten Jahr Zahntechniker, einen Beruf, in dem man beide Hände händeringend braucht!
Die gebraucht er auch, aber eben auf seine eigene Art. Seine Ausbilder lassen ihn gewähren. „Ich suche mir mitunter meinen eigenen Weg, Hauptsache das Ergebnis stimmt“, sagt er und Peter Pleyers nickt zustimmend. Ein Praktikum und seine Motivation haben das Labor überzeugt – und jetzt gibt es bei Jacobs in diesem Jahr eben eine Azubistelle über Plan.
Julia Schaub von der Arbeitsagentur steht bei der Vermittlung von schwerbehinderten Menschen an vorderster Front, ist quasi die Schnittstelle, Sie geht in die Betriebe, spricht mit den Arbeitgebern und zeigt zahlreiche staatliche Förder- und Unterstützungsangebote auf: die Ein- bzw. spezielle Ausrichtung des Arbeitsplatzes auf spezielle Bedüfnisse eines Schwerbehinderten zum Beispiel bis hin zu finanziellen Zuwendungen, falls etwa eine spezielle Betreuung des Schwerbehinderten nötig ist. Für Stefan Sauer braucht es übrigens beides nicht. Und überhaupt: „Wir empfinden das mittlerweile so, als ob Stefan gar nicht behindert wäre“, unterstreicht Peter Pleyers.
Die Arbeit der Arbeitsagentur trägt offensichtlich Früchte – Stefan ist einer von aktuell 60 Schwerbehinderten, die eine Ausbildungsstelle gefunden haben. „Wir wünschten“, so Klaus Jeske von der Arbeitsagentur Aachen-Düren, „dass noch mehr tolle Arbeitgeber wie Jacobs geben würde, die schwerbehinderten Menschen eine Chance geben würden.“
Immerhin leben in Deutschland rund 7,5 Millionen Menschen, die schwerbehindert sind, sprich fast jeder Zehnte und 42 Prozent der schwerbehinderten Frauen und Männer im Rheinland sind zwischen 18 und 65 Jahren alt, also im so genannten erwerbsfähigem Alter. Der Anteil an der Bevölkerung betrug 2015 im Kreis Düren 10,55% (= 27.401 Menschen) und in der Städteregion Aachen 10,31% (= 56.485 Menschen).
Stefan Sauer lässt derweil von einer Maschine Gipspulver und Wasser zusammenmischen. Die fertige Mischung lässt er behutsam in die Abdrücke eines Ober- und Unterkiefers fließen und stellt so schließlich aus dem Negativ ein Positiv her. Wer ihm bei der Arbeit zusieht und seine rechte Hand dabei nicht ausdrücklich im Blick hat, merkt tatsächlich nichts von seiner Behinderung.